Kanada

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Kanada (engl./frz.: Canada) ist ein Bundesstaat in Nordamerika und flächenmäßig der zweitgrößte Staat der Erde.

Kanada ist ein Flächenstaat, dessen Bevölkerung zum Großteil auf wenige städtische Zentren konzentriert ist. Um die ethnische, sprachliche und kulturelle Vielfalt der einzelnen Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten, ist Kanada politisch als Bundesstaat organisiert. Die Unabhängigkeitsbestrebungen Québecs, die Rechte der frankophonen Kanadier und die Rechte der indigenen Völker prägen zentrale Konfliktlinien innerhalb der kanadischen Gesellschaft. Die größten kanadischen Städte sind Toronto, gefolgt von Montreal, Vancouver, Calgary, Edmonton und Ottawa.

Bevölkerung

Die letzte Volkszählung von 2006 ergab eine Einwohnerzahl von 31.612.897. Daraus errechnet sich eine Bevölkerungsdichte von ca. 3,2 Einwohner/km², eine der geringsten der Welt. Die Bevölkerung konzentriert sich auf einem bis zu 350 km breiten Streifen entlang der Grenze zu den USA. Weite Teile des Nordens sind nahezu unbesiedelt. Fast vier Fünftel der Kanadier leben in Städten, die meisten in den Millionenmetropolen Toronto, Montréal, Vancouver und Ottawa.

Der Großteil der Bevölkerung lebt in den Provinzen Ontario (2006: 12.160.282 Ew.) und Québec (2006: 7.546.131 Ew.) entlang des St.-Lorenz-Stromes, das heißt rund um Toronto, Montréal, Québec, Ottawa, London und Hamilton (Windsor-Québec-Korridor). 4.113.487 Menschen leben in Britisch-Kolumbien, 3.290.350 in Alberta, in Manitoba 1.148.401 und in Saskatchewan weitere 968.157 Menschen. Nunavut mit 29.474 Einwohnern ist das bevölkerungsärmste Territorium Kanadas.

Demografische Struktur und Entwicklung

Kanada ist ein klassisches Einwandererland. Große Einwanderergruppen kamen in der Vergangenheit aus dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Ungarn, der Ukraine, Polen, Kroatien und aus den USA. Heutzutage wächst die Bedeutung der Einwanderer aus Fernost, vor allem aus der Volksrepublik China. Die Wachstumsrate der Bevölkerung ist die höchste innerhalb der G8-Staaten (+5.4 % zwischen 2001 und 2006).

Die Geburtenrate betrug 2003 10,99 Geburten pro 1000 Einwohner, die Sterberate 7,61 Todesfälle pro 1000 Einwohner. Das Bevölkerungswachstum betrug 0,94 %.

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Kanada liegt bei 73,6 Jahren. 26 % der Kanadier sind 19 Jahre oder jünger, 13 % 65 Jahre oder älter. Das mittlere Alter der erwerbsfähigen Bevölkerung liegt bei 42 Jahren, die Schätzung für 2011 liegt bei 43,7 Jahren.

Indigene

In Kanada unterscheidet man drei Gruppen indigener (oder autochthoner) Völker: Die First Nations (auch „Indianer“ genannt), die Inuit und die Métis, Nachfahren von Siedlern und Pelzhändlern, die mit indianischen Frauen eine Verbindung eingegangen waren.

Bei der letzten Volkszählung im Jahre 2001 waren 976.305 Kanadier als Angehörige einer indigenen Gruppe gemeldet, das waren 3,7 Prozent der kanadischen Bevölkerung. Aufgefächert sind dies folgende Zahlen:

  • 608.850 Angehörige der First Nations
  • 292.305 Angehörige der Métis
  • 45.070 Inuit
  • 6.665 Indigene Bevölkerung gemischter Herkunft
  • 23.415 Indigene Bevölkerung ohne eindeutige ethnische Zuordnung.

185.960 Kanadier sprechen eine der 50 indigenen Sprachen, diese umfassen die Sprachen der First Nations sowie Inuktitut, die Sprache der Inuit. Seit 1996 wird der 21. Juni als „National Aboriginal Day / Journée nationale des Autochtones“ gefeiert. Die Interessen der indigenen Bevölkerung Kanadas werden vom Ministerium für „Indian and Northern Affairs“ / „Affaires indiennes et du Nord“ vertreten.

Sprachen

Offizielle Landessprachen sind Englisch und Französisch mit einem Anteil von Muttersprachlern an der Bevölkerung von 56,3 Prozent bzw. 28,7 Prozent. 95 Prozent aller Québecer sprechen Französisch (darunter 43 Prozent, die auch Englisch sprechen); 98 Prozent aller Kanadier außerhalb Québecs können Englisch sprechen (darunter 8 Prozent, die auch Französisch sprechen).

Französisch wird hauptsächlich in Québec gesprochen (85 Prozent) sowie in Teilen von Neubraunschweig, den östlichen und nördlichen Teilen von Ontario, Saskatchewan, der Südküste von Neuschottland und im südlichen Teil von Manitoba.

Alle Regionen haben nicht-englisch- oder französischsprachige Minderheiten, hauptsächlich Nachkommen der Ureinwohner, die Inuit und Indianervölker. Weitere bedeutende Sprachen sind Chinesisch mit ca. 854.000 Sprechern, Italienisch mit ca. 470.000 Sprechern, Deutsch mit ca. 438.000 Sprechern, Tamilisch mit 321.000 Sprechern sowie Punjabi mit 271.000 Sprechern. Fast alle Einwanderer und deren Nachkommen sprechen auch Englisch oder Französisch.

Auf der Provinzebene ist allein Neubraunschweig offiziell zweisprachig, alle anderen Provinzen haben nur eine Amtssprache: Französisch in Québec und Englisch in den anderen Provinzen. Dennoch werden zahlreiche staatliche Leistungen wie das Bildungs- oder Gesundheitswesen auch in der jeweils anderen Sprache angeboten. Im Yukon sind Englisch und Französisch Amtssprachen, in Nunavut außerdem Inuktitut, in den Nord-West-Territorien neben diesen Sprachen auch Chipewyan, Cree, Dogrib, Gwich'in, Nord- und Süd-Slavey.

Das Kanadisch-Gälische, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts herum dritthäufigste Sprache Kanadas, ist mit etwa 500 bis 1000 vorwiegend älteren Sprechern mittlerweile fast ausgestorben.

Religion

Etwa 73,3 Prozent der kanadischen Bevölkerung gehören einer christlichen Konfession an (ca. 44 % katholisch, ca. 29 % protestantisch--die größten beiden protestantische Denominationen sind die United Church of Canada (ca. 9%) und die Anglican Church of Canada (6,9%)--, sowie kleinere Anteile anderer Religionen: ca. 0,16 % orthodox, ca. 0,25 % andere Denominationen). Etwa 1,1 Prozent sind Juden und ca. 1 Prozent Buddhisten. Muslime stellen ca. 1,7 Prozent der Bevölkerung. Etwa 16,5 Prozent gehören keinem Glauben an.

Einwanderungspolitik

Die Einwanderung nach Kanada wird über klar definierte Ziele gesteuert. Einwanderungskriterien sind öffentlich einsehbar und können bereits vor Antragstellung selbst überprüft werden. Für Menschen mit Berufen, die in Kanada gefragt sind, existiert zum Beispiel das Skilled Worker-Programm. Je nach Lage des kanadischen Arbeitsmarkts wird eine Mindestpunktzahl (z. B. im April 2006: 67 Punkte) festgelegt, die ein Einwanderungsinteressierter erreichen muss. Die persönliche Punktzahl setzt sich zusammen aus Punkten für den aktuellen Bildungsstand und Berufserfahrung, aus Punkten für die vorhandenen Sprachkenntnisse in Englisch und Französisch sowie aus Punkten für das Alter, für Verwandte und frühere Aufenthalte in Kanada. Ein verbindliches Arbeitsangebot eines kanadischen Arbeitgebers erhöht die Punktzahl nochmals maßgeblich. Neben dieser Punktzahl muss ein Interessent am Skilled Worker-Programm nachweisen, dass er sich für eine gewisse Zeit finanziell selbst versorgen kann. Die notwendige Summe beläuft sich derzeit (4/2006) für eine alleinstehende Person auf CAD 10.168, für eine vierköpfige Familie auf CAD 18.895. Außerdem werden polizeiliche Führungszeugnisse aus allen Ländern benötigt, in denen der Kandidat nach dem 18. Geburtstag für sechs Monate oder länger gelebt hat.

Die Einwanderung erfolgt in zwei Stufen. Zunächst wird eine unbefristete Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung erteilt. Nach drei Jahren als „Landed Immigrant“ kann der Einbürgerungsantrag gestellt werden. Einwanderer, die noch nicht eingebürgert sind, haben Residenzpflicht. Wird der Residenzpflicht nicht Genüge getan, können der „Landed Immigrant“-Status entzogen und die Einwanderer in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden.

Staatsrecht und Politik

Die Verfassung Kanadas gründet im Wesentlichen in der Constitution Act 1867 (früherer Name: British North America Act 1867) und der Constitution Act 1982. Erstere enthält das Staatsorganisationsrecht, letztere den Grundrechtskatalog sowie Bestimmungen betreffend das Vorgehen bei Verfassungsänderungen. Kanada ist infolge der Constitution Act 1867 ein Bundesstaat und eine repräsentative parlamentarische Demokratie, die formal als konstitutionelle Monarchie innerhalb des Britischen Commonwealth of Nations konstituiert ist. Das politische System lehnt sich an das Westminster-System Großbritanniens an. Symbolisches Staatsoberhaupt ist die britische Königin Elizabeth II.; sie wird durch einen Generalgouverneur vertreten. Ministerpräsident ist seit den Wahlen im Januar 2006 der Konservative Stephen Harper.

Exekutive

Die vom Premierminister, der über weitgehende Befugnisse verfügt, geleitete Bundesregierung in der Hauptstadt Ottawa ist zuständig für Außenpolitik, Verteidigung, Handel, Geldwesen, Verkehr und Post sowie die Aufsicht über die Administration der drei bundesabhängigen Nordterritorien Yukon, Nordwest-Territorien und Nunavut. Der Premierminister ist der Regierungschef. Er wird formal vom Generalgouverneur ernannt, ist aber vom Vertrauen des Unterhauses abhängig. Es handelt sich daher meist um den Führer der Mehrheitsfraktion.

Legislative

Das Parlament besteht aus dem demokratisch gewählten Unterhaus, dem Senat, dessen Mitglieder anteilig den Provinzen und Territorien entstammen und vom Premierminister ernannt werden, und der Königin. Die reguläre Legislaturperiode dauert fünf Jahre, aber der Premierminister kann den Generalgouverneur jederzeit darum ersuchen, das Unterhaus vorzeitig auflösen und Neuwahlen ausrufen, und diesem Ersuchen ist zu entsprechen.

Judikative

Kanada ist zwar ein relativ junges Land, die kanadische Rechtsordnung hat jedoch bereits eine lange Tradition. Das in allen Provinzen mit Ausnahme Québecs geltende Common Law basiert auf Grundsätzen, die im Mittelalter in England entwickelt wurden. Die Grundsätze des in Québec geltenden Droit Civil gehen sogar bis in die Zeit des Römischen Reiches zurück und spiegeln viele der Prinzipien des französischen Rechts wider. Im Lauf der Zeit wurden diese beiden Rechtssysteme an die Erfordernisse in Kanada angepasst. Die Gerichte berücksichtigen bei der Interpretation der Gesetze auch die sich verändernden gesellschaftlichen Gegebenheiten. Die kanadische Verfassung ist die Grundlage der Rechtsordnung in ganz Kanada.

Parteienlandschaft

In Kanada bestehen auf Bundesebene drei traditionelle Parteien:
Die liberale Partei regierte von 1993 bis 2006. Die Parteien „Progressive Conservatives“ und „Canadian Alliance“ haben sich zur „Conservative Party of Canada“ zusammengeschlossen. Bei den Neuwahlen, die am 23. Januar 2006 aufgrund eines erfolgreichen Misstrauensvotums durchgeführt wurden, ergab sich folgende Stimm- und Sitzverteilung: Konservative: 36,3 % (124 Sitze), Liberale: 30,2 % (103), Bloc Québécois: 10,5 (51), NDP: 17,5 % (29). Ein unabhängiger Kandidat wurde direkt gewählt. Der Konservative Stephen Harper wurde nach dieser Wahl neuer Premierminister.

Außenpolitik

Die kanadische Regierung veröffentlichte im April 2005 eine Erklärung zur Internationalen Politik des Landes, das International Policy Statement (IPS). Dies ist das erste umfassende Rahmenwerk zur internationalen Politik Kanadas, das die Bereiche Außen-, Entwicklungs-, Handels- und Verteidigungspolitik als ein aufeinander abzustimmendes Ganzes betrachtet. In der Erklärung wird dargelegt, welche Rolle Kanada künftig im internationalen Geschehen einnehmen soll. Es wird unterstrichen, wie wichtig es ist, die nordamerikanische Partnerschaft wieder zu beleben und eine Reihe von Neuerungen auf internationaler Ebene einzuführen. Die Förderung eines neuen Multilateralismus ist einer der Grundpfeiler der kanadischen Außenpolitik.

Die Erklärung nähert sich in vielen Punkten stark an zahlreiche Positionen der europäischen Sicherheitsstrategie an. Als wichtigste Herausforderungen benennt sie den Kampf gegen Terrorismus und organisierte Kriminalität, die Stabilisierung von „gescheiterten“ und „scheiternden“ Staaten, das Verfolgen einer Nichtverbreitungspolitik und die Sicherung von Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit in der Weltgemeinschaft.

Die Beziehungen mit Europa werden für Kanadas Wohlstand und für den Erfolg bei der Durchsetzung seiner internationalen Interessen als Schlüsselfaktor gesehen. Dabei wird den Beziehungen mit den wichtigsten europäischen Partnern (Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien) in der kanadischen Außenpolitik eine besondere Bedeutung zugeschrieben und die Europäische Union wird als strategischer Partner Kanadas betrachtet.

Die kanadische Erklärung zur Internationalen Politik erkennt an, dass zahlreiche globale Fragen in Zusammenarbeit mit der EU und ihren Mitgliedsstaaten gelöst werden müssen. Sie verweist auf die bereits bestehende Zusammenarbeit sowohl bei der Suche nach effizienten multilateralen Lösungen (wie die responsibility to protect), bei der Wahrung gemeinsamer Sicherheitsinteressen (z. B. in der Ukraine und den Balkanstaaten), bei dem Angehen globaler Umweltschutzfragen (Überfischung und weltweiter Klimawandel) als auch bei der Terrorismusabwehr und beim gemeinsamen Handeln gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen.

Die Erklärung begrüßt die Entwicklung einer Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, die es Kanada ermöglicht, bei der Abwendung gemeinsamer Bedrohungen und bei Einsätzen zur Friedenserhaltung und -schaffung mitzuwirken.

Die wachsende Bedeutung der EU in der Welt – als wirtschaftliche Großmacht, verbunden mit den USA als der größten Wirtschaftsmacht der Welt – wird in der Erklärung eindeutig dargelegt und anerkannt. Im Abschnitt zum Handel heißt es, dass Handel und Investitionen in und aus Europa in Bezug auf ihre Wichtigkeit für die kanadische Wirtschaft und Technologiebasis den zweiten Rang hinter den USA einnehmen. Aus diesem Grund wird die Verhandlung eines neuen Förderabkommens für Handel und Investitionen zwischen Kanada und der EU für das kanadische Aktionsprogramm in diesem Bereich als prioritär angesehen, da so das volle Potenzial der kanadischen Wirtschaftsbeziehungen mit Europa realisiert werden kann.

Bildung

Im föderalistischen Kanada gibt es kein einheitliches nationales Bildungssystem; für das Schulwesen sind die Provinzen und Territorien zuständig. Daher unterscheiden sich in einigen Provinzen Schuleintrittsalter (5. oder 6. Lebensjahr) und Dauer der Grundschulzeit (bis Klasse 6 oder 7). Die Sekundarstufe (in Québec École polyvalente genannt) umfasst in Form einer Gesamtschule die dreijährige Junior Highschool (Sekundarbereich I) und die zwei- bis vierjährige Senior Highschool (Sekundarbereich II). Da das kanadische Bildungssystem eine hohe Chancengleichheit anstrebt, erfolgt der Übergang von einer Schulstufe in die andere ohne Leistungsprüfung. Erst innerhalb der Senior High School ist der Erwerb des Abschlusszeugnisses (High School Diploma / Diplôme d'Études Secondaire) vom Erreichen bestimmter Bewertungspunkte (Creditpoints) abhängig. 2 % der Schulen liegen in privater, überwiegend kirchlicher Hand. Während der Schulbesuch kostenfrei ist, werden an den Hochschulen Studiengebühren unterschiedlicher Höhe fällig. Von den über 70 Universitäten zählen die University of Toronto (1827) und die Université de Montréal (1878) zu den größten.

Wirtschaft

Das Bruttonationaleinkommen (BIP) betrug im Jahr 2003 preisbereinigt 756,25 Mrd. Euro gegenüber 727,42 Mrd. Euro im Jahr 2002. Damit ist Kanada gemessen am BIP pro Kopf mit 23.909 Euro an achter Stelle in der Welt. Real wuchs das BIP im Jahr 2003 um 2,2 %, ein Jahr zuvor waren es noch 3,4 %. Die Inflationsrate betrug 2003 2,6 %.

Die kanadischen Provinzen und Territorien haben unterschiedlichen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung. Das wirtschaftliche Herz Kanadas schlägt in Ontario und Québec, wo über 70 % des BIP erwirtschaftet werden. Bedingt durch den Ölreichtum hat sich die Wirtschaft in der Provinz Alberta rasant entwickelt. Alberta ist die einzige schuldenfreie kanadische Provinz. Die Atlantikprovinzen und die arktischen Gebiete liegen nach dem Einbruch traditioneller Erwerbsquellen, wie Fischfang, wirtschaftlich zurück und sind von Bundeszuschüssen abhängig.

Die kanadische Wirtschaft ist eng mit der US-Wirtschaft verflochten. In die USA gehen 86 % der kanadischen Exporte, und 61% der Importe werden aus den USA bezogen. Im Durchschnitt werden pro Tag Güter in Höhe von ca. 1,5 Mrd. CAD zwischen den USA und Kanada gehandelt.

Kanada ist der zweitgrößte Flächenstaat der Erde. Die Wirtschaftszentren im Osten und im Westen sind über 5000 km voneinander entfernt. Das Land ist mit 3,1 Einwohner/km² dünn besiedelt. Wirtschaft und 85 % der Arbeitskräfte sind jedoch in einem Streifen von bis zu 350 km Breite entlang der US-Grenze konzentriert. Das Transportwesen ist auf den Güteraustausch mit den USA ausgerichtet.

Wichtige Wirtschaftszweige

Landwirtschaft

Obwohl nur 8% der Staatsfläche landwirtschaftlich genutzt werden, gehört das Land zu den größten Getreideexporteuren der Welt. Über 80% der Agrarfläche des Landes liegt in den Prärien östlich der Rocky Mountains. Dort werden neben Weizen, Hafer und Gerste auch Ölsaaten wie Raps und Leinsamen angebaut. Am Atlantik wachsen Obst und Gemüsekulturen und es gibt in bescheidenerem Umfang auch Weinbau. Die Vieh- und Milchwirtschaft liefert etwa die Hälfte aller Agrarerträge. Die Betriebe sind in hohem Maße technisiert und mechanisiert. Während die Farmen in den Prärien im Durchschnitt über 300 ha erreichen, umfassen die Betriebe in Ostkanada weniger als 100 ha; dort sind viele Farmen in den letzten Jahren aufgegeben worden.

Die reichen Fischgründe des Pazifiks und des Atlantiks bilden die Grundlage der kanadischen Fischereiwirtschaft, die u. a. Lachs, Kabeljau, Hummer und Hering exportiert. Die Neufundlandbank gehört zu den ertragreichsten Fischgründen der Welt. Zwar gibt es eine nicht unbedeutende Binnenfischerei, sie ist aber vorwiegend als Sportfischerei zu betrachten. Auch der Pelztierfang und die Pelztierzucht sind immer noch bedeutsam.

Dank seiner großen Waldflächen fällt der Forstwirtschaft eine wichtige Stellung zu. Die Holzwirtschaft des Landes ist auf ein scheinbar unerschöpfliches Rohstoffpotenzial begründet. Über 2,6 Millionen km² sind mit Wald bedeckt, der seit Jahrhunderten als Bau- und Brennholz, seit Ende des 19. Jahrhunderts dann verstärkt zur Papier- und Zellulosegewinnung genutzt wird. Kanada ist der weltweit größte Produzent von Holzschliff, Zellstoff, Papier und Pappe. Allerdings führt der Kahlschlag weiter Flächen regelmäßig zu Protesten von Umweltschützern.

Industrie

Auf der Basis seines Rohstoffreichtums hat Kanada eine breit gefächerte Industrielandschaft aufgebaut, deren Schwerpunkte neben dem Automobil- und Flugzeugbau und der Metallindustrie in der Nahrungsmittelherstellung und der Holz- und Papierverarbeitung liegen. Auch die chemische und die elektrotechnische Industrie sind stark vertreten, zunehmend auch der Hightech-Bereich. Kanada verfügt über ein riesiges Potenzial an Wasserkraft, die zwei Drittel zur Energiegewinnung beiträgt.

Tourismus

Mit 20 Mio. Touristen kommt etwa die gleiche Besucherzahl nach Kanada wie nach Deutschland. Die meisten Touristen sind US-Amerikaner und besichtigen den kanadischen Teil der Niagarafälle. Zu den attraktiven Zielen gehören auch die Nationalparks und die großen Städte.

Wirtschaftsstruktur

Kanada hat in den letzten 10 Jahren einen Strukturwandel der Volkswirtschaft von der Rohstoff- und Agrarwirtschaft zu Hightech und Dienstleistungen vollzogen. Es wurde eine leistungsstarke, an Zukunftstechnologien orientierte Wirtschaft entwickelt. Innovative Sektoren, wie Biotechnologie und Informationstechnologien, werden gezielt gefördert.

Kanada bleibt daneben weiterhin ein bedeutender Rohstofflieferant und Produzent landwirtschaftlicher Produkte. Es belegt nach den USA und Russland Platz 3 der Welterdgasförderung und den 9. Platz in der Erdölförderung und verfügt nach Saudi-Arabien über die bedeutendsten Erdölreserven der Welt. Auf Grund des hohen Ölpreises wird die Förderung der sog. Ölsande im Norden Albertas zunehmend profitabler. Die Wasser- und Holzvorräte sind nahezu unerschöpflich. 46 % der Landfläche Kanadas sind von Wald bedeckt. Kanada zählt zu den weltgrößten Exporteuren von Getreide.

Der Dienstleistungssektor hat einen Anteil von 69 % am BIP, die verarbeitende Industrie 17 %, der Bausektor 6 %, Bergbau und Energiegewinnung 6 % und die Landwirtschaft 2 %. Bedeutende Bereiche der verarbeitenden Industrie sind der Automobil- und Flugzeugbau, die Metallindustrie, die Lebensmittelherstellung, die Holz- und Papierverarbeitung, die Chemieindustrie und die Produktion von Computern und elektrischen Geräten.

Außenhandel

Kanada ist eine Exportnation. Die Exporte betragen 41% und die Importe 39% des BIP. Kanada belegt den 5. Platz in der Weltaußenhandelsstatistik nach der EU, den USA, Japan und China. Der Außenhandel ist frei, ausgenommen Investitionen in wenigen Schlüsselbereichen (Luftfahrt, Medien), die auf ausländische Minderheitsbeteiligungen beschränkt sind. Außerdem gilt seit 1954 ein Einfuhrverbot für Holzwürmer.

Die enge wirtschaftliche Verflechtung mit den USA ist Chance und Risiko der wirtschaftlichen Entwicklung Kanadas zugleich. Sie hat den Aufstieg Kanadas in den Rang der führenden Industrienationen wesentlich begünstigt und ist auch heute noch neben anderen Standortvorteilen ist ein wichtiges Motiv für ausländische Direktinvestitionen, um die Kanada aktiv mit Steuervorteilen und anderen Anreizen wirbt. Der Bestand ausländischer Investitionen in Kanada beträgt 275 Mrd. USD. Davon kommen 64% aus den USA und 27% aus der EU. Insgesamt ist Kanada jedoch ein Nettoexporteur von Investitionen. Die kanadischen Direktinvestitionen im Ausland belaufen sich auf 306 Mrd. USD.

Kanada ist aus wirtschaftlichen und politischen Gründen an einer Diversifizierung seiner Wirtschaftsbeziehungen interessiert, ohne das privilegierte Verhältnis zu den USA in Frage zu stellen. Als Partner werden neben der Europäischen Union und Japan zunehmend China, Indien und Brasilien gesehen.

Mitgliedschaft in internationalen Wirtschaftsorganisationen

Kanada ist Mitglied im Nordamerikanischen Freihandelsabkommen NAFTA (North-American Free Trade Agreement) beziehungsweise ALÉNA (Accord de libre-échange nord-américain) zwischen Kanada, den USA und Mexiko. Darüber hinaus ist Kanada Mitglied der G8, OECD, WTO, IMF und der Weltbank. Außerdem bestehen Freihandelsabkommen mit Chile und Israel.

Aktuelle Entwicklung

Die kanadische Wirtschaft ist 2004 um 2,7% gewachsen, getragen von einer stabilen Auslands- wie Inlandsnachfrage. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte (Wachstum 2,8%) und die Ausrüstungsinvestitionen (Wachstum 5,9%) hatten kräftige Zuwächse zu verzeichnen. Die Exporte sind insgesamt über das Jahr angestiegen, wurden jedoch im zweiten Halbjahr durch den starken kanadischen Dollar und den Rückgang der privaten Investitionen in den USA belastet.

Verkehr

Die Hauptverkehrsachse im Straßen-, Eisenbahn-, Luft- und Schifffahrtsverkehr verläuft entlang des Sankt-Lorenz-Stroms durch Ontario und Québec und verbindet Toronto, Montréal, die Stadt Québec und Ottawa miteinander. Der gesamte Norden des Landes ist verkehrsmäßig nur unzureichend erschlossen.

Straßen

Das dichteste Straßennetz befindet sich im Bereich der höchsten Bevölkerungsdichten in den Atlantikprovinzen, in Süd-Ontario, in Québec entlang des St. Lorenz, in den südlichen Prärieprovinzen und im Bereich der Frazermündung / Vancouver. Als ein alle Bundesstaaten verbindendes Element wurde von Victoria am Pazifik bis St. John's am Atlantik der Trans-Canada-Highway gebaut, mit 8000km die längste Straße der Welt. In den Ballungsräumen und als Verbindung zwischen größeren Zentren ist diese Straße als Autobahn ausgebaut. Durch Ontario führen zwei Routen dieser Straße, eine nördlichere und eine südlichere. Der Trans-Canada-Highway ist die einzige Bundesstraße Kanadas. Die übrigen Landstraßen, auch die Autobahnen, werden von den Provinzen hergestellt und unterhalten. Die verkehrsreichste Autobahn Kanadas bildet das Rückgrat des Windsor-Québec-Korridors, in Ontario mit der Straßennummer "401". Mit 16 Spuren durch den Ballungsraum Toronto gehört der 401 zu den breitesten Autobahnen der Welt. Nach Norden führen nur wenige Straßen, von denen die meisten aufgrund von großen Baumaßnahmen (Staudämme, Bergbau etc.) gebaut wurden, oder aus militärischen Gründen entstanden (Alaska Highway).

In Kanada von Bedeutung sind Überlandbusse. Jede Region verfügt über ein ausgedehntes Busnetz; die größte Busgesellschaft ist die Greyhound Bus Company, deren Streckennetz in Nordamerika 193.000 km umfasst. Greyhounds Go Anywhere Fare und der North America Discovery Pass gelten für unbegrenzte Busfahrten in einem bestimmten Zeitraum in ganz Kanada und in den USA oder in bestimmten Gebieten.

Flugverkehr

Von Bedeutung ist der Inlandsflugverkehr. Ca. 75 Fluggesellschaften, darunter Air Canada, sorgen für regionale Flugverbindungen. Air Canada Jazz bedient Kanadas Osten und Westen. Air Transat fliegt auch auf innerkanadischen Strecken. In Westkanada fliegen Air BC (ZX) und Horizon Air, in Mittelkanada Air Alliance, Air Ontario (GX). Internationale Flughäfen befinden sich in Québec, Toronto, Montréal, Calgary, Edmonton, Halifax und Vancouver.

Eisenbahn

Die Eisenbahn besitzt innerhalb des Großraumes Toronto-Montréal Bedeutung im Personen- und Güterverkehr, außerhalb dieses Gebietes beschränkt sich die Bedeutung auf den Massengüterverkehr und den Tourismus, vergleichbar den Schienenkreuzfahrten in Europa. Es bestehen zwei von Osten nach Westen verlaufende transkanadische Eisenbahnstrecken: die Canadian Pacific Railway und die Canadian National Railway. Betreiberin des Schienenpersonenverkehrs ist die VIA Rail Canada (Liste nordamerikanischer Eisenbahngesellschaften), der Güterverkehr wird von vielen privaten, regionalen Gesellschaften betrieben.

Schifffahrt

Wichtige Seehäfen befinden sich in den Städten am Sankt-Lorenz-Strom und in Vancouver. Zudem besteht auf den Großen Seen eine bedeutende Binnenschifffahrt.

Quellenangaben

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Kanada aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.